Bilderrahmenpflege, Einrahmungsstandards und Konservierung

Der Kauf eines Bilderrahmens erfolgt aus unterschiedlichen Intentionen und Motivationen heraus. Viele sehen den Rahmen als eine Art Deko-Element, in dem die Bildwirkung zusätzlich unterstrichen wird und dass sich ohne Mühe an eine geschmackvolle Inneneinrichtung anpassen kann. Dafür sprechen vor allem die unglaublich reichhaltige Palette an Farben und Formaten, sowie die Vielfalt der Profiloberflächen. Manche vermuten auch die Wertsteigerung eines persönlichen oder kostbaren Werks in einem passenden Bilderrahmen. Wieder andere möchten vielleicht das Bild vor äußeren Einflüssen wie Schmutz und Staub schützen und es – um es nicht in irgendeiner Schublade zu vergessen  – schlicht und einfach an der Wand präsentieren. Es gibt viele Gründe, ein Bild zu rahmen. Technische Standards haben sich verbessert, innovative Möglichkeiten und Vorgehensweisen haben sich entwickelt. Wir möchten Ihnen einige Auswirkungen des Einrahmens vorstellen, auf gewisse Standards hinweisen und Ihnen ebenso nützliche Tipps zur Bilderrahmenpflege geben.

Im Allgemeinen können wir zwischen dem dekorativen Standard in der Einrahmung, sowie dem konservierenden Standard unterscheiden. Während der erste vor allem auf die Wirkung und nicht zwangsläufig den Schutz und die Werterhaltung ausgerichtet ist, geht es bei letzterem um die Auswahl der idealen Materialien und der perfektionierten Montage, die eine langfristige Erhaltung des Bildes ermöglichen.

Einrahmungsstandards früher und heute

Früher war alles besser? Definitiv nicht im Bereich der Bilderrahmen-Herstellung. Schutz und Erhaltung, sowie Konservierung eines Bildes wurde in der Vergangenheit weitaus weniger Bedeutung beigemessen als heute. Das lag zweifelsohne auch an einer Unwissenheit und einem Mangel, sowie fehlendem Interesse der Forschung. Bis in die späten 80er Jahre wurden beispielsweise noch Lignin – also säurehaltige – Passepartouts verwendet, sowie die aus Altpapier und Zellulose bestehende Graupappe als Rückwand genutzt. Vielmehr Materialien gehörtem damals zur Auffassung von Museumsqualität, waren teuer, aufwendig zu produzieren und wurden generell nicht als Standard angesehen. Auch heute sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der konservierenden Einrahmung noch jung, trotzdem werden verschiedene Schutzfunktionen bei der Produktion von Bilderrahmen beachtet wie zum Beispiel die Verwendung von speziellen Gläsern mit UV-Schutz, sowie säurefreien Passepartouts, Papiereinlegern, Rückwänden und Klebematerialien.

Jedes noch so kleine Detail kann im Endergebnis die Wirkung des Bildes beeinflussen. Das fängt bei Rahmengröße, Farbe, Profilstärke und Wahl des Passepartouts an und geht weiter über bestimmte schützende Besonderheiten, die optisch auch langfristig nützlich sind.

Das schadet unseren Bildern

Obwohl sie oft unbemerkt ablaufen – Bilder sind kontinuierlichen physikalischen und chemischen Prozessen unterzogen, die die organischen Substanzen deutlich beeinflussen und verändern können. Vor allem durch den Diffusions-Prozess von Luftfeuchtigkeit durch die Rückwände und Passepartouts kommt es zu einem Ein- und Ausschwemmen von Schadstoffen. Die oben erwähnte Säure betreibt durch den Einfluss von Licht und Sauerstoff einen beschleunigenden Alterungs-, sowie Zersetzungsprozess. Selbst kleinste Insekten und Holzschädlinge müssen beachtet werden, denn auch sie finden immer wieder aufs Neue den Weg ins Bildinnere. Auch nicht sachgemäße Transporte und Lagerungen können Kunstwerken erhebliche Schäden zuführen.

Es folgt: Man muss nicht unbedingt den teuersten Bilderrahmen kaufen, doch sollte man bei der Rahmenwahl auf eine hochwertige und ausgewogene Verarbeitung achten und durchaus die Materialien und Herstellungsprozesse hinterfragen.

Optimale Voraussetzungen für die erfolgreiche Rahmung

Um Werterhaltung und Schutz zu fördern, kann man sich einige einfache Regeln merken: Achten Sie bei der Rahmung darauf, dass alle verwendeten Materialien rückstandsfrei wieder zu entfernen sind – das gilt für Profilleisten, Clips, Ösen und Klebstoffe. Kein Material sollte die Beschaffung des eigentlichen Kunstwerks verändern, bzw. in direktem Kontakt mit diesem stehen. Bei Passepartout- Einlegern, Rückwänden und Aufhänge-Montagen sollte eine sorgfältige, schonende Verarbeitung und ein fachgerechtes Handling berücksichtigt werden. Verwenden Sie ausschließlich gepufferte, säurefreie Kartons, Papier, Einleger und Rückwände und stellen Sie sich auf die sichere Seite indem sie in eine Rahmung mit UV-Schutzglas investieren. Ein weiterer Punkt, der auch nicht immer leicht zu vereinbaren ist, ist eine staubdichte Rahmung: Denken Sie daher an ein zusätzliches Verkleben von Glas und Rückwand.

Papier - Empfindliches Material

Säurefreie Kartons von Nielsen als Rückwand für BilderrahmenEine konservierende Rahmung ist vor allem bei Papierarbeiten zu empfehlen, da dieses Material besonders zart und empfindlich gegenüber Licht, Feuchtigkeit und Schmutz ist. Gestaltungstechnisch haben Sie mit Hilfe von Passepartouts mehrere Möglichkeiten ein Bild wirkungsvoll und schützend zu rahmen. Wählen Sie mehrere übereinanderliegende Passepartouts, bringen Sie ihr Bild auf der Rückwand an, wobei das Passepartout umschließend wirkt oder verzichten Sie gänzlich auf ein Passepartout, wobei zusätzliche Distanzleisten im Rahmen essentiell sind, um den Abstand zwischen Bild und Glas zu gewährleisten.

Faustregeln für Originale

Haben Sie keine Angst vor der richtigen Bilderrahmenpflege. Zu Anfang klingt es kompliziert; die natürlichen Prozesse sind jedoch alle erklärbar und können mit der richtigen Behandlung zum Großteil vermieden werden. Lesen Sie hier einige Tipps und Tricks:

  • Berühren Sie ein Original auf Papier niemals mit schmutzigen oder eingecremten Händen
  • Achten Sie darauf, Papier beim Rahmen nicht zu knicken
  • Benutzen Sie säurefreie Papiereinleger
  • Vertrauen Sie Passepartouts in  Museumsqualität
  • Verzichten Sie auf Beschneidungen von Originalen um Wertverlust zu vermeiden
  • Benutzen Sie kein Acrylglas für Pastelle und Kohlezeichnungen, da sich dieses elektrostatisch auflädt und Farbpartikel anzieht, also aus dem Kunstwerk herauszieht
  • Achten Sie stets auf einen gewissen Abstand zwischen Bild und Glas
  • Verpacken Sie Originale robust für den Transport
  • Achten Sie immer auf die Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Sonneneinstrahlung und eventuelle andere äußere Einflüsse (wie Rauch) in unmittelbarer Nähe des Kunstwerks