Glasarten bei Bilderrahmen

Entscheidet man sich dafür ein Bild, eine Fotografie oder ein anderes Objekt mit einem Glas einzurahmen, sollte einem bewusst sein, dass Glas nicht gleich Glas ist. Die Unterschiede in der Qualität und den Eigenschaften sind massiv.

Das Normalglas

Ein herkömmliches Glas, wie es auch vor allem für die Verglasung von Fenstern benutzt wird, ist transparent in seiner optischen Erscheinung und reflektiert von Natur aus Licht. Die ultra-violetten Strahlen der Sonne können praktisch ungehindert hindurchdringen. Diese beiden Eigenschaften bieten für ein wichtiges Kunstwerk nicht den optimalen Schutz. Wird Licht auf der Glasoberfläche reflektiert, beeinträchtigt dies zudem auch das Seherlebnis. Die Maßnahmen, die dagegen unternommen werden können, sind variabel. Um Reflektionen zu vermeiden, können Sie dafür sorgen, dass das Bild nicht durch natürliches Licht beleuchtet wird, und installieren stattdessen im Raum eine Lampe, die direkt auf das Objekt zielt und es so gänzlich ausleuchtet. Dies beugt auch gleichzeitig ein zu starkes Einwirken von UV-Strahlen vor, was Sie aber wiederum durch ein geschicktes Hängen außerhalb der Sonnenreichweite vermeiden können.

Floatglas und Maschinenglas

Das entspiegelte ClearColour Bildglas von Nielsen Design ist kaum noch sichtbarDieses Flachglas wird in einem Fließprozess hergestellt, „float“ bedeutet im englischen „fließen“. Hierbei wird auf 1.100 °C erhitztes zähflüssiges Glas fortlaufend in ein längliches Bad aus flüssigem Zinn gegossen. Das leichtere Glas schwimmt nun in diesem Bad und breitet sich gleichmäßig aus. Dank der Oberflächenspannung des Zinns erhält das Glas eine sehr glatte Oberfläche. Das sich abkühlende Glas wird permanent herausgezogen und durchläuft einen Kühlofen, in dem es heruntergekühlt wird. Aufgrund des enthaltenen Eisenoxyds erscheint das Glas leicht grünlich. Eine günstigere Option wäre das Maschinenglas, welches nicht gefloatet, sondern gewalzt wird. Hierdurch leidet aber der optische Effekt, da wellige Strukturen auf diesem Glas zu erkennen sind. Für die Bildeinrahmung ist daher das hochwertigere Floatglas zu empfehlen.

Das Antireflexglas

Bearbeitet man die eine oder auch beide Seiten einer Glasplatte mittels eines speziellen Ätzverfahrens, ist es möglich, die Reflexion von Licht auf Anhieb zu reduzieren. Die matte Oberfläche zerstreut hierbei das einfallende Licht und vermindert somit die Reflexionen. Dieses Antireflexglas hat eine mattere Erscheinung als das normale Glas und wirkt sich entsprechend auf die optische Intensität der Farben aus. Das Bild verliert etwas an Farbbrillanz. Aufgrund der geätzten Oberfläche muss Antireflexglas direkt auf dem Bild aufliegen. Mit zunehmendem Abstand wird dieses Mattglas milchig und Trübe. Daher ist einfaches Antireflexglas nicht für Bilderrahmen mit Distanzleiste oder Passepartouts geeignet.

Das Museumsglas

Doch für eine langfristige professionelle Präsentation und Aufbewahrung von schützenswerten oder historischen Kunstwerken lohnt es sich, direkt auf hochwertiges Museumsglas zurückzugreifen. Museumsglas heißt es deswegen, weil mit „Museum“ intuitiv hohe Qualitätsanforderungen verbunden werden. Leider ist es allerdings noch lange nicht die Regel, dass in öffentlichen Sammlungen auch das bestmögliche Glas zum Schutz der Kunst benutzt wird.

Aber was bedeutet das genau? Das Glas ist so behandelt, dass es Reflexionen fast vollständig abweist, das Gleiche gilt auch für die schädlichen UV-Strahlen. Dieses Museumsglas gibt es in verschiedenen UV-Schutzstufen. Im Gegensatz zu gewöhnlichem Antireflexglas hat das interferenzoptisch entspiegelte Museumsglas keine geätzte matte Oberfläche und bietet trotzdem einen deutlich höheren Schutz gegen Reflexionen und gewährleistet eine sehr authentische Farbwiedergabe. Auf diese Weise können die eingerahmten Arbeiten auch unter weniger optimalen Beleuchtungsbedingungen uneingeschränkt bestaunt werden und sind gleichzeitig professionell geschützt. Unter den bekanntesten Gläsern in Museumsqualität befindet sich das Glas der Firma Mirogard. Als preisgünstigere Variante etabliert sich auf dem europäischen Markt beispielsweise das „Clarity“-Glas, das unter anderem Bilderrahmenhersteller wie Aicham Larson-Juhl in Deutschland vertreiben.

Das Kunst- bzw. Acrylglas

Plexiglas oder Kunststoffglas kann verschiedene Eigenschaften von echtem Glas annehmen und besitzt zudem eine wesentliche Qualität, nämlich dass es bruchsicher ist. Gerade im öffentlichen Bereich wie in Schulen, Krankenhäusern, Praxen, Hotels oder in Ämtern kann es von entscheidendem Vorteil sein, dass das Glas nicht beim ersten Anstoßen oder Fallen in alle seine Einzelteile zerspringt. Abgesehen vom organisatorischen Aufwand, möchte man insbesondere verhindern, dass sich Menschen daran verletzen. Bilderrahmen mit künstlichem Glas eignen sich also hervorragend für alle Räume und Orte, an denen sich regelmäßig Kinder aufhalten. Bruchsicherheit und Leichtigkeit sprechen für Acrylglas, jedoch ist dieses Glas deutlich kratzempfindlicher als echtes Glas. Dafür bietet Kunstglas immer einen gewissen UV-Schutz.

ESG Bilderglas

ESG ist die Abkürzung für EinscheibenSicherheitsGlas und ist insbesondere von Auto-Frontscheiben oder Duschabtrennungen und Glastüren bekannt. Dieses Glas ist sehr widerstandsfähig, stoß- und schlagfest. Bei einem Glasbruch zerfällt ESG in kleine Glasbruchstücke, die verletzungshemmend sind. Nachteilig ist das Gewicht durch die massivere Bauweise und dass es nicht nachträglich bearbeitet werden kann.